Welche Faktoren stärken die psychische Widerstandsfähigkeit Resilienz?

Welche Faktoren stärken die psychische Widerstandsfähigkeit Resilienz?

In der Literatur finden sich unterschiedliche Sammlungen von Eigenschaften, die als resilienzfördernd gelten. In der Regel betitelt als „Die sieben Säulen der Resilienz“, „Die sieben Schlüssel der Resilienz“ oder auch „Die echten Resilienzfaktoren“. Es existiert dazu nämlich kein allgemeingültiges Konzept! Das kann auf den ersten Blick etwas verwirren. Beim genaueren Hinsehen wird aber schnell deutlich, dass sich die Auflistungen sehr ähneln. Es geht immer um bestimmte Eigenschaften, die sich als Überzeugungen, Haltungen, Neigungen, Fähigkeiten und Gewohnheiten beschreiben lassen. Diese entwickeln sich aufgrund der Konstitution, dem Charakter sowie den individuellen Lebensumständen einer Person. Sie sind also teils angeboren, teils erworben und stehen in komplexer Wechselwirkung zueinander.

Dabei lässt sich nicht sagen, in welchem Maße einzelne Eigenschaften die Flexibilität im Umgang mit Belastungen, Stress und Krisen erhöhen. Zwar liegen schon zahlreiche Studienergebnisse vor, doch diese beziehen sich immer nur auf Teilaspekte des Resilienz-Phänomens. Schon deshalb, weil sich die Forschung über mehrere Fachgebiete erstreckt. Sie umfasst neben psychologischen Modellen und Erkenntnissen auch neurowissenschaftliche, medizinische, sozialwissenschaftliche und weitere. Was die Untersuchungen aber deutlich gezeigt haben, ist eine auffällige Häufung bestimmter Eigenschaften bei Menschen, die als besonders resilient gelten.

Charakteristische Haltungen, Fähigkeiten und Verhaltensweisen resilienter Menschen

Im Folgenden eine Übersicht resilienzstärkender Faktoren, die sich stark an das Modell von Frau Dr. Franziska Wiebel anlehnt.

  • Akzeptanz: Die Fähigkeit, Unveränderbares als gegeben hinzunehmen und gegebenenfalls die „zweitbesten Lösungen“ zu verfolgen. Dazu zählt auch Selbstakzeptanz, im Sinne einer liebevollen Selbstannahme, unter Achtung der persönlichen Bedürfnisse und Grenzen.
  • Bindung/Netzwerkorientierung: Die Kompetenz, verlässliche soziale Kontakte aufzubauen und zu pflegen. Das beinhaltet Fähigkeiten wie Einfühlungsvermögen, Offenheit, Rücksichtnahme und klare Kommunikation. Dieser Bereich ist insofern von besonderer Bedeutung, weil der Mensch auf soziale Integration zwingend angewiesen ist. Ein gesundes soziales Netzwerk verhindert Einsamkeit und bietet praktische Unterstützung bei der Bewältigung von Aufgaben sowie psychische Entlastung durch Anteilnahme, Aufmunterung, Mut machen und Ablenkung. Die stressmindernde und psychisch stabilisierende Wirkung befriedigender Beziehungen gilt als wissenschaftlich belegt.
  • Optimismus: Der tief verankerte Glaube, dass schwierige Situationen sich über kurz oder lang wieder zum Positiven wenden, ohne dabei auf unrealistische Entwicklungen zu hoffen. Die Basis dafür bieten das Gewahrsein der persönlichen Bewältigungsressourcen, das Bewusstsein, schon etliche Herausforderungen erfolgreich gemeistert zu haben sowie die Wahrnehmung und Wertschätzung all dessen, was gut ist und sich nicht ändern soll.
  • Lösungs- und Zukunftsorientierung: Die Angewohnheit, Herausforderungen proaktiv anzugehen. Damit ist gemeint, die Eigenverantwortung anzunehmen und sich auf die Nutzung der Handlungsspielräume und Chancen zu konzentrieren, anstatt sich in der Opferrolle einzurichten. Das schließt die angemessene Vorbereitung auf zu erwartende Wechselfälle des Lebens mit ein. Darüber hinaus geht es darum, sich realistische Ziele zu setzen und diese konsequent zu verfolgen.
  • Selbstwahrnehmung: Die bewusste Wahrnehmung der eigenen Empfindungen, Bedürfnisse, Denk- und Verhaltensmuster. Eine gute Selbstwahrnehmung ist der beste Kompass für stürmische Zeiten und eine Grundvoraussetzung für den angemessenen Umgang mit ständig neuen Anforderungen. Sie ermöglicht Stressbelastungen, unerfüllte Bedürfnisse, ungünstige Denkgewohnheiten sowie sich anbahnende Krisen frühzeitig zu erkennen. Dadurch können zeitnah entsprechende Gegenmaßnahmen eingeleitet werden.
  • Selbstreflexion: Das gezielte Auswerten von Erfahrungen sowie die Entwicklung geeigneter Strategien zur Aufrechterhaltung bzw. Verbesserung des Wohlbefindens und zur Realisierung der persönlichen Ziele. Dies erfordert sorgfältiges und zielgerichtetes Denken sowie die Fähigkeit zum Perspektivwechsel.
  • Selbstwirksamkeit: Die zielgerichtete Umsetzung der Erkenntnisse aus Selbstwahrnehmung und Selbstreflexion. Das beinhaltet auch die angemessene Steuerung der eigenen Gefühle, Gedanken und Impulse.

Mehr zu diesen Resilienz-Faktoren und ihren Trainingsmöglichkeiten erfahren Sie in Kürze in diesem Blog sowie in meinen Resilienz-Coachings & Resilienz-Trainings in Hannover.

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